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4 Jun

Was kann eine Microdermabrasion? Interview mit Birga Hauptmann

Birga Hauptmann war eine der ersten Kosmetikerinnen, die das damals noch relativ unbekannte Treatment Microdermabrasion Anfang 2000 nach Deutschland brachte. Sie bietet die Behandlung in der Berliner Praxis der plastischen Ärztin Dr. Juliane Bodo an und wird regelmäßig von Magazinen wie der italienischen VOGUE als DIE Spezialistin für Microdermabrasion in Deutschland genannt.

Man merkt ihr an, dass sie auch nach vielen Jahren noch begeistert von den Ergebnissen des Treatments ist. Sie hat sich ganz auf Microdermabrasion spezialisiert und bietet daneben noch Hydrafacials und Microneedling als ergänzende Behandlungen an. Birga Hauptmann, die das Treatment selbst regelmäßig nutzt, ist ihr bestes Aushängeschild: Die 53-jährige hat eine unglaublich straffe, strahlende und feinporige Haut. In einem ausführlichen Interview erzählt sie beautyshelf, was eine Microdermabrasion leisten kann und worauf man achten sollte, bevor man einen Termin vereinbart.

 

Wie bist du zur Microdermabrasion gekommen?

Eine gute Freundin, die Makeup-Artistin in den USA ist, hat mich Anfang 2000 auf die Microdermabrasion gebracht. In den USA war die Behandlung schon damals sehr gefragt. Meine Freundin hat zum Beispiel mit Cameron Diaz gearbeitet, die alle zwei Wochen eine Microdermabrasion durchführen lässt, um ihre unruhige Haut zu verbessern.

Irgendwann fragte sie mich, warum diese in den USA so beliebte Behandlung eigentlich nicht bei uns in Deutschland angeboten wird. Als ich die Microdermabrasion dann selber ausprobiert und gemerkt habe, welche großartigen Ergebnisse sie bei meiner eigenen Haut erzielt, habe ich mich dazu entschlossen, diese Behandlung auch in Deutschland anzubieten.

 

Was genau macht eine Microdermabrasion?

Ich arbeite mit dem Sandstrahl-Prinzip. Dabei werden Kristalle auf die Haut gegeben und gewirbelt. Diese Kristalle tragen dann die Hornhaut mit samt den oberen Hautschuppen ab. Das fühlt sich für den Behandelten so an, als würde ich ganz viel von seiner Haut abrubbeln.

Gleichzeitig werden die Kristalle mit einem starken Vakuum wieder abgesaugt. Dieser Unterdruck bewirkt in der Tiefe der Haut eine leichte Quetschung. Hierdurch entsteht eine kleine Verletzung, die man danach zwar nicht sieht, worauf die Haut aber reagiert – sie bildet neues Kollagen.

 

Wann ist man nach einer Microdermabrasion wieder einsatzfähig?

Die Microdermabrasion ist ein Verfahren, nach dem man direkt wieder auf die Straße gehen kann. Die Haut ist nicht so verletzt wie nach einem chemischen Peeling oder einer Laserbehandlung. Daher wird die Microdermabrasion auch als Red Carpet Treatment bezeichnet. Man kann die Behandlung auch direkt vor Events durchführen, um eine besonders glatte Haut-Oberfläche zu erhalten. Zum Vorschein kommt eine strahlende Babyhaut, die nicht nur toll aussieht, sondern sich auch wunderbar anfühlt.

 

Was kann eine Microdermabrasion wirklich leisten?

Ab 30 Jahren lässt die körpereigene Kollagenbildung langsam nach und das Unterhautfettgewebe wird dünner. Mit Hilfe der Microdermabrasion wird die Bildung von neuem Kollagen angeregt und die Haut wird wieder praller.

In unsere Praxis kommen auch viele Kunden, die sich ihre Nasolabialfalten mit Hyaluronsäure unterspritzen lassen wollen. Die beste Methode ist aber, die Haut im Gesicht insgesamt mit einer Microdermabrasion zu behandeln, um die Kollagensynthese dauerhaft in Gang zu halten.

 

Microdermabrasion ist eine hautverjüngende Methode ist, von der ab 30 Jahren jeder Hauttyp profitiert.

 

Das gesamte Kollagen-Gerüst der Haut wird durch regelmäßige Microdermabrasion aufrechterhalten und kann wieder aufgebaut werden. Darüber hinaus werden kleine Fältchen geglättet und Poren verfeinert. Zudem können auch Pigmentstörungen behandelt werden, die gerade nach der Pille oder nach Schwangerschaften häufig auftreten.

Selbst Narben lassen sich mit der Microdermabrasion reduzieren. Bei starken Sonnenschäden muss man ausprobieren, ob die Microdermabrasion alleine ausreicht. Man sieht aber ziemlich schnell, ob sie hilft oder ob man zu anderen Methoden greifen muss.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Microdermabrasion eine hautverjüngende Methode ist, von der ab 30 Jahren jeder Hauttyp profitiert, ganz gleich, ob man Hautunreinheiten, große Poren, Pigmentstörungen oder kleine Fältchen reduzieren will oder einfach nur erreichen möchte, dass die Haut Pflege-Produkte wieder besser aufnimmt.

 

Was bringt eine Microdermabrasion als Anti-Aging-Maßnahme?

Die Microdermabrasion hilft nicht nur gegen unreine Haut, sondern ist auch eine unglaublich tolle Behandlung, um den Alterungs-Prozess zu verlangsamen: durch den Unterdruck der Massage, die jedes Mal gemacht wird, wird die Produktion von neuem Kollagen angeregt.

In der ästhetischen Medizin versucht man ja immer wieder, die Kollagen-Produktion anzuregen. Klassisches Beispiel ist eine Laserbehandlung, bei der man eine Verletzung durch Hitze erzeugt. Durch diese Verletzung erreiche ich dann, dass die Haut wieder neues Kollagen bildet. Bei der Microdermabrasion dagegen gehe ich mit einem starken Unterdruck über die Haut und fördere so die Kollagensynthese.

 

Kann eine Microdermabrasion große Poren wirklich verkleinern?

Bei unreiner Haut hat die Microdermabrasion den großen Vorteil, dass nicht mit Dampf gearbeitet wird. Wenn ich eine Pore mit Dampf ausreinige, dann stellt sich die Pore nur frei und füllt sich wieder. Das heißt, je öfter ich mich bei einer Kosmetikerin ausreinigen lasse, desto weiter werden die Poren. Das können bestimmt viele bestätigen, die regelmäßig zur Ausreinigung gehen. Es ist zwar kein Talg mehr drin, aber die Pore bleibt bestehen.

 

Microdermabrasion ist einzige Methode, eine großporige Haut wieder ganz fein zu kriegen.

 

Die Microdermabrasion ist mit Ausnahme einer Laserbehandlung, die ich allerdings für junge Haut viel zu massiv finde, die einzige Methode, eine großporige Haut wieder ganz fein zu kriegen. Ich biete hierzu Microdermabrasions-Kuren an, mit vier – sechs Behandlungen im Monat. Hierdurch erneuert sich die Haut von unten nach oben. Die Basalschicht bildet sich neu und das ganze Haut-Relief mit samt Poren wird feiner.

Ich habe aus meiner Praxis viele Beispiele, bei denen eine deutliche Reduzierung der Porengröße erreicht werden konnte, egal ob Mann oder Frau. Wichtig ist allerdings, die Skincare-Routine vorab genau zu analysieren. Große Poren können nämlich auch durch eine falsche Pflege, z.B. mit Produkten, die Mineral-Öl enthalten, entstehen. Ich hatte in der Vergangenheit auch öfter mit großporiger Haut zu kämpfen, die auf falsche Pflegeprodukte zurückzuführen war.

 

In welchem Alter sollte man mit der Microdermabrasion starten?

Meine jüngsten Kunden sind Teenager mit akuter Akne, die man sehr gut mit einer Microdermabrasion behandeln kann. Wenn man die Microdermabrasion aus Anti-Aging Gründen machen möchte, sollte man um die 30 Jahre damit anfangen. Um den optimalen Effekt rauszuholen, sollte die Behandlung alle sechs Wochen, spätestens aber alle drei Monate, wiederholt werden.

Ich starte in der Regel immer mit einer Kur von ca. vier Behandlungen im Monat, sozusagen um den Status quo festzulegen. Bei einer traumhaft schönen Haut können auch alle sechs Wochen ausreichend sein, um die Kollagensynthese in Gang zu halten. Erfahrungsgemäß machen neun von zehn Kunden zunächst einmal die Kur.

 

Wann sieht man die ersten Ergebnisse der Microdermabrasion?

Gleich danach sieht man die ersten positiven Effekte. Direkt nach der Behandlung glänzt man leicht, weil stumpfe Hornhaut abgetragen wurde. Der Glanz dauert allerdings nur einen Tag an. Viele mögen, dass die Haut so frisch aussieht.

Anderen wiederum gefällt der Glanz überhaupt nicht und pudern sich ab. Am nächsten Tag ist dieser extreme Glanz verschwunden, die Haut ist wieder etwas „stumpfer“. Die sogenannte Lichtschicht, die durch die Microdermabrasion freigelegt wurde, wird dann zur neuen Hornhaut. Gleichzeitig arbeitet die Basalschicht sofort wieder los, um neue Hautzellen zu produzieren.

 

Kann die Haut durch häufige Microdermabrasion zu dünn werden?

Viele denken: „Meine Haut ist zu dünn, so was darf ich gar nicht machen“. Das stimmt aber nicht, da die Haut fortlaufend neue Hautzellen produziert. Das macht sie im Übrigen auch, wenn wir 160 Jahre alt werden würden. Daher können selbst mehrere, aufeinanderfolgende Microdermabrasions-Treatments die Haut nicht ausdünnen.

 

Worauf muss man einer Microdermabrasion noch achten?

Wichtig ist als Kunde, darauf zu achten, welches Microdermabrasions-Gerät verwendet wird. Ich arbeite anders als viele andere Institute nicht mit der Diamanten-Microdermabrasion, sondern mit der Sandstrahl-Methode.

Die Diamanten-Microdermabrasion ist aus meiner Sicht eine zu aggressive Methode für die Haut. Daher denken viele, dass man im Sommer keine Microdermabrasion machen darf. Bei der sanfteren Sandstrahl-Methode wird wirklich nur die Hornhaut abgetragen, d.h. nach drei Tagen habe ich wieder hauteigenen Sonnenschutz. Daher kann diese Art der Microdermabrasion auch ohne Probleme im Sommer durchgeführt werden.

Es ist daher als Kunde immer wichtig, alles genau zu hinterfragen, auch bei einer inzwischen so gängigen Behandlung wie der Microdermabrasion. Die Kunden in den USA sind da wesentlich kritischer, alle würden sofort nach dem Gerät fragen. Das macht in Deutschland aber (noch) keiner. So weit ist der Kunde hier leider noch nicht.

 

Du bietest auch Microneedling an. Wie grenzt sich Microneedling von Microdermabrasion ab?

Die Microdermabrasion ist das klassische Kosmetikprogramm, das sich jeder angedeihen lassen sollte und bildet sozusagen die erste Behandlungsstufe.

 

Microneedling ist die nächste Behandlungsstufe.

 

Wenn einem die Microdermabrasion nicht mehr ausreicht, kann man im nächsten Schritt mit Microneedling starten.

Auch für das Microneedling ist die Microdermabrasion die optimale Vorbereitung. Beim Microneedling ist es nämlich wichtig, dass die Hornhaut schon abgetragen ist. Dadurch werden die Nadeln nicht so schnell stumpf und die Haut arbeitet auch auf der Oberfläche und nicht nur in der Tiefe (durch die hierbei entstehende Verletzung).

Anders als bei der Microdermabrasion ist man aber am nächsten und übernächsten Tag nicht einsatzfähig. Die Haut wird beim Microneedling verletzt und blutet leicht. So soll es aber auch sein, anders als bei der Homeroller-Anwendung zu Hause.

Beim richtigen Microneedling muss man schon etwas tiefer gehen. Im Gesicht geht man z.B. mit Nadeln von 0,5 bis 1 mm über die Haut. Damit erzielt man einen tollen Effekt. Vor allem die Narbenbehandlung mit Microneedling ist einfach unglaublich. Man kann Aknenarben, Windpockennarben, erhabene Narben sowie breite und flächige Narben deutlich reduzieren.

Das funktioniert natürlich bei der Microdermabrasion nicht, die Narbe wird zwar auch schöner, aber niemals so unsichtbar, wie nach einem Microneedling. Daher kommt es bei der Wahl der Behandlungsmethode immer darauf an, welches Ergebnis erzielt werden soll.

 

Was ist ein Hydrafacial und was bringt es?

Beim Hydrafacial werden konzentrierte Anti-Aging-Seren mit speziellen Aufsätzen in die Haut eingebracht. Hierdurch kann die Haut extrem viel Feuchtigkeit speichern. Ich behandele die Haut auch beim Hydrafacial immer mit einer Microdermabrasion vor, um abgestorbene Hautschüppchen abzutragen und die Kollagenproduktion durch das starke Ansaugen anzuregen. Dann erfolgt ein sanftes Säurepeeling und eine Tiefenausreinigung mit Hilfe eines Vakuums. Im letzten Schritt werden die Anti-Aging-Produkte in die Haut eingeschleust.

 

Aus meiner Sicht ergänzen sich die Microdermabrasion und das Hydrofacial auf ideale Weise: Die Microdermabrasion hat den starken, kollagenanregenden Massageeffekt, das Hydrofacial führt der Haut unglaublich viel Feuchtigkeit und zahlreiche potente Anti-Aging-Wirkstoffe zu. Es hilft aber nur dauerhaft, wenn man dranbleibt und die Behandlung alle vier Wochen durchführen lässt.

Man sieht direkt danach wirklich toll aus. Daher ist es auch ein super Treatment vor Events oder einer Hochzeit. In den USA wird das Hydrofacial auch gerne vor der Oscar-Verleihung durchgeführt, damit die Haut unter dem schweren Make-up genug Feuchtigkeit speichert.

 

Das Hydrafacial setzt da an, wo die Microdermabrasion aufhört.

 

Das Hydrafacial kostet allerdings mit ca. 200 € doppelt so viel wie die Microdermabrasion. Daher kommen viele meiner Kunden regelmäßig alle vier bis sechs Wochen zur Microdermabrasion und wenn etwas Besonderes ansteht, machen sie zusätzlich noch ein Hydrofacial.

 

Später anfangen heißt leider immer, dass man nicht mehr aufholen kann.

 

Im Übrigen sieht man immer, wenn eine Haut gut gepflegt ist. Wer mit 30 angefangen hat, regelmäßig zur Microdermabrasion zu gehen und dann mit 50 zu uns kommt, hat in der Regel eine tolle Haut. Gerade mit zunehmendem Alter macht sich der regelmäßige Gang zur Kosmetikerin deutlich bemerkbar.

Und später anfangen heißt leider immer, dass man nicht mehr aufholen kann. Die Kollagenproduktion geht ja schon mit 25 runter und diesen Prozess immer wieder in Gang zu halten, ist das A und O. Also früh anfangen! (lacht).

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